Wieder in Down Under

Hallo Freunde,

wir stehen wieder Kopf auf der Südhalbkugel und blicken auf den Pazifik. Wir haben es geschafft.

Das Reisen ist heutzutage aufwändiger, anders geworden. Früher hatte man eine vage Idee, einen Traum von einem fernen Paradies, ging zu einem Reisebüro und flog hin. Diese Zeiten sind vorbei. Viren, Bürokraten, selbstklebende Klimaaktivisten, beglaubigte Impfpässe, elektronische Erlaubnispapiere des Einreiselandes, endlose Warteschlangen beim Check-in, Passüberprüfung mit Foto, Durchleuchtungspassagen, bis hin zur finalen Bordkartenkontrolle mit fälschungssicherem Geheimsymbol per Hand aufgeklebt. Wenn man all das nach mehrstündigem Anstehen (mit 2m Abstand) überwunden hat, darf man in den Flieger klettern und hoffen, dass man nicht weitere 2 bis 3 Stunden warten muss, weil auf Grund von Arbeitskräftemangel das Gepäck immer noch nicht verladen werden konnte. Danach vergeht meist noch ein wenig Zeit, bis der Flugkapitän sich meldet, weil durch die unvorhergesehene Gepäckverzögerung die Starterlaubnis auf irgendwann später verlegt werden musste. Wir mussten dann nochmal eine Stunde warten, weil ein anderer Flieger mit Transit-Passagieren für unseren Vancouver-Flug Verspätung hatte.

Da lobe ich mir doch die frühere Auswanderung per Schiff. Viel länger hat das auch nicht gedauert. Trotz all dieser Unbillen scheint die Reisewut der Menschheit ungebrochen. Heute erfuhren wir im Ort, dass in diesem Sommer 54 Kreuzfahrtschiffe die Bay of Islands anlaufen werden. Zum Glück werden sie ans gegenüberliegende Ufer in Waitangi ausgeschifft, zu den Maori, die sie mit herausgestreckter Zunge begrüßen dürfen, während ihre Töchter und Ehefrauen sich im polynesischen Bauchtanz versuchen.

Nur wenige dieser Kulturreisenden verschlägt es nach Russell. Das geschieht nicht aus Desinteresse, sondern es ist den meisten Weltreisenden zu umständlich, zu zeitraubend. Wenn sie mit der 15minütigen Fähre nach Russell übersetzten, würden sie das kostenlose Mittagessen an Bord ihres Dampfers verpassen. Wir sind über diesen Umstand nicht unglücklich.

Täglich wandern wir barfuß den fast menschenleeren Long Beach hinunter, erzählen uns Geschichten und Gelesenes und genießen die friedfertigen Tage ohne Fernsehen, ohne Putin.

Seid wieder herzlich gegrüßt vom anderen Ende der Welt
Euer Helme

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