Sichtweisen

Hallo Freunde,

ich sitze in meinem Studio und schaue in meinen großen Garten, Holztauben haben Regenschutz gesucht unter Palmenblättern. Eine Wachtel-Familie mit 9 Jungen (und Mädchen) trippeln über den Rasen, gefolgt von einem Kaninchen mit hängenden Ohren. Ein friedfertiges, paradiesisches Bild, das mir meine Augen übermitteln. Doch so ein Bild muss sich den Platz teilen in meinem Kopf mit all den anderen gesehenen und dort gespeicherten Bildern.

Gestern war ich in einem Sterne-Lokal essen. Es gab unter anderem ein Wachtelbeinchen auf Kohlrabi-Mousse. Und schon trübt sich mein Blick. Ich stürze zur Tür und rufe den Wachteln hinterher: „Euch könnte ich keine Feder krümmen“. Erschreckt flattern sie davon. Leise füge ich hinzu: “… zumindest so lange ich noch lebe und die teuren Rates und Taxes für euch bezahlen kann. Danach… “ Der Regen verdichtet sich,  “… danach wird sich jemand anderes um euer Wohl kümmern. Wenn… ja, wenn nicht ein Bauunternehmer  diesen Grund und Boden erwirbt, ihn unterteilt, das Kapital mehrt, und euch verringert.“

Ich glaube, ich sehe zu schwarz. Es gibt doch auch wohlhabende Tierfreunde. Es muss sie geben. Der Regen lässt nach. Die Sonne schiebt sich durch die Wolkendecke, lässt die Regentropfen wie Diamanten aufblitzen. Wenn ich eine Kamera hätte oder ein tragbares Telefon, würde ich es festhalten und Euch schicken.

Die Sonnenstrahlen blenden so sehr, dass ich die Augen schließen muss und mit gespeicherten Bildern vergleiche. Verdorrte Landschaften, Flüchtlingsströme, brennende Wälder, Folgen der Erderwärmung verdrängen das Gesehene. Nun sei doch nicht so pessimistisch, schelte ich mich. Das Leben ist schön… und wenn ich die Brille abnehme, ist sie noch schöner. Hoffentlich finde ich sie trotzdem wieder.

Seid herzlich gegrüßt von einem kurzsichtigen
Helme

 

P.S. Wenn ich ein Optiker wäre, würde ich Brillen für Sehgeschädigte herstellen. Hier die ersten Entwürfe…


für Rassisten

 


für Impfgegner

 


für Gendergeschädigte

 

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