Reise durch die Alte Welt

Hallo Freunde, 

ich lese zur Zeit mit großem Vergnügen das seinerzeit erfolgreichste Buch Mark Twains. Es sind nicht die Abenteuer von Huckleberry Finn oder Tom Sawyer, sondern sein 400-seitiges Reisetagebuch mit dem schönen Titel: Reise durch die Alte Welt.  (Original Titel: The Innocents Abroad)

Eine Kreuzfahrt im Jahre 1867. Start in New York. Twain schreibt:

Monatelang wurde die große Vergnügungsreise nach Europa und dem Heiligen Land überall in Amerika in den Zeitungen besprochen und an zahllosen Kaminen diskutiert. Es war eine neue Art von Ausflug - etwas Ähnliches war noch nie zuvor erdacht worden. Es sollte ein Picknick riesenhaften Ausmaßes werden. Anstatt eine schwerfällige Dampffähre mit Jugend und Schönheit, mit Pasteten und Pfannkuchen zu beladen und irgendein unbekanntes Flüsschen hinaufzupaddeln, um an einer saftigen Wiese auszusteigen und sich mit der anstrengenden Ausgelassenheit eines langen Sommertages zu erschöpfen, in der Einbildung, es mache Spaß, sollten die Teilnehmer (ca.120) auf einem großen Dampfer mit wehenden Flaggen und donnerndem Salut  absegeln und einen fürstlichen  Urlaub jenseits des breiten Ozeans verbringen. Sie sollten monatelang über den windigen Atlantik und das sonnige Mittelmeer fahren. Sie sollten bei Tage auf dem Deck herumtollen, das Schiff mit Rufen und Lachen erfüllend, oder im Schatten der Schornsteine Romane und Gedichte lesen und an der Reling nach der Qualle, dem Nautilus, dem Haifisch, dem Wal und anderen seltsamen Ungeheuern Ausschau halten… Es war eine prächtige Idee. Sie war die Frucht eines höchst erfinderischen Kopfes.

Heute, 150 Jahre später, sieht die Welt etwas anders aus. Es sind nicht die 7 Milliarden zusätzlichen Menschen auf unserem Globus, die die Welt verändert haben, sondern unser Empfinden, unser Sehen und Gesehen Werden ist neu. Das Jugend-Schlagwort FOMO= fear of missing out, die Angst, etwas zu verpassen, gab es damals sicherlich auch schon. Aber ohne Handy, ohne Internet, ohne TV und Film nimmt man die Welt anders wahr. Der damalige Leser konnte sich nur über das Wort ein eigenes Bild schaffen. Ein sehr schöpferischer Vorgang.

Zur Zeit ist die Kreuzfahrt-Industrie eingemottet, dafür kommen immer mehr private Superyachten nach Russell und in die Bay of Islands. Ich habe das Gefühl, sie werden jeden Monat in der Pandemie größer und teurer, und das trotz einer täglich anwachsenden globalen Neuverschuldung. Besteht da ein Sachzusammenhang, den ich übersehen habe?

Ein Virologe hat neulich errechnet, dass alle weltweit existierenden Corona-Viren zusammen in eine leere Weinflasche passen würden (hoffentlich mit Schraubverschluss). Die würde ich gerne tief in unserem Garten vergraben.

Bleibt gesund und seid herzlich gegrüßt
von Euerm Helme

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