Reden über Lösungen schafft Lösungen

Liebe Freunde,

überall hört man: Was sind das nur für seltsame Zeiten, in denen wir leben. Für viele scheint diese Zeit des Umbruchs, des Paradigmenwechsels überraschend gekommen zu sein, aber er hat sich ja schon seit einer kleinen Ewigkeit angekündigt. Jetzt wird gewarnt, geklammert, gestöhnt, gelästert und wehgeklagt wie an den runden Geburtstagen ab dem 50. Lebensjahr. Schon der Rheuma geplagte Herrmann Hesse dichtete: Von der Wiege bis zur Bahre sind es 50 Jahre. Man verlottert, man verbauert, man verwahrlost, man versauert. Wir altern, alle altern, alles altert. Auch unsere Kultur, unsere Weltsicht, der Zeitgeist, unsere Philosophie, selbst viele unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse werden eines fernen Tages belächelt.  

Der Wechsel, das unbekannte Neue wird kommen, ist nicht aufzuhalten, deshalb sollten wir ihn akzeptieren und wie Ulrich von Hutten am Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit rufen: Es ist eine Lust zu leben. Wer das nicht vermag, der sollte sich das chinesische Wort für Krise anschauen. Das Wort Krise  wei  ji  besteht aus zwei zusammengesetzten Begriffen, aus dem Wort Gefahr und aus dem Wort Chance (gute Gelegenheit).

 

In einigen Tagen wird in Deutschland gewählt, dann soll die Welt ergrünen oder erröten. Nur die Pessimisten sehen schwarz. Doch welche Farbe wir bekommen, hängt von den Gelben ab, die sowieso bald die Welt beherrschen. Die Politik, das Heute sind so verwirrend, so unberechenbar wie dieses verdammte Virus. Nur die Talkmaster und die Medien sind glücklich über diese Zustände. Jetzt gibt es genug Stoff, um darüber zu schreiben und zu labern. Am glücklichsten sind die Virologen, die endlich mal aus ihrem anonymen, keimfreien Labor oder Institut dürfen. Plötzlich sind sie Stars, stehen im Mittelpunkt. Das Virus interessiert das wenig. Es nimmt vielen die Luft zum Atmen oder wandert direkt ins Hirn, was zu schweren Hirnschädigungen führt.  

Der Beweis sind die Verschwörungstheoretiker. Sie glauben, dass das Virus von dunklen Mächten erschaffen wurde, um die halbe Menschheit auszurotten, besonders die Alten. Nur so schaffen wir es, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen und die Renten der Jungen sicherer zu machen und die Krankenkassen zu entlasten. Die Überlebenden bekommen ein monatliches Grundgehalt von mindestens Euro 9.000, steuerfrei, plus Handy, plus Sozialwohnung mit Balkon und einen Heizkosten-Zuschuss. Dafür verlieren sie das Wahlrecht. (Dieses staatliche Angebot ist natürlich freiwillig.)

Genug gelästert. Mein Berliner Großvater, ein einfacher Mann mit Philosophie im Blut, sagte einst zu mir: Helme, das Reden über Probleme schafft Probleme. Das Reden über Lösungen schafft Lösungen. Wie recht er hatte!

 

Da bei uns in Russell die Gefahr der Ansteckung gleich Null war und ist, haben Kiki und ich die Chance genutzt, um Neues zu schaffen. Kiki literarisch und ich malerisch. So haben wir die Krise gemeistert und tun es noch immer. Wunderbar diese Entschleunigung! Im Augenblick vermissen wir nichts -außer Euch- und einen Friseur, der Zeit hat, unseren Haarschopf und Bart zu bändigen, der seit fast 2 Monaten ungehindert wuchert.

Das war’s für heute, seid herzlich gegrüßt von
eurem Helme

 

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