Reales und Fiktives

Hallo Freunde,

wir haben Besuch von zwei jungen bayerischen Damen, die vor ein paar Tagen mit ihrem “Handgepäck“ hier eintrafen und in unserem Gästehäuschen nächtigen. (Ich habe nur eine Dame abgebildet, weil ich keinen Platz mehr hatte für den 2.Rucksack) Die Hausordnung ist täglich 9.30 Uhr Frühstück und 19.00 Uhr Abendessen mit Heißhunger am gedeckten Tisch. Ansonsten tut und lässt jeder, was er will. Die Mädels erobern Russell.

KiKi und ich kämpfen darum, die inflationsgeschädigte Rente aufzubessern, weshalb wir seit einer Woche an einem neuen Roman arbeiten mit dem schönen Arbeitstitel: 

Die verlorene Stille. 

Ich schreibe im Studio schwitzend täglich eine Seite, die ich am Nachmittag bei Kiki abliefern muss, sonst gibt es keinen Kaffee und Kuchen. Dort wird das Geschrieben be-, über-, umge- und ver-arbeitet, ver- oder ge-kürzt oder ergänzt. Zum Glück ist das bei der Malerei nicht möglich. 

Apropos Malerei, ich verfolge mit großer Aufmerksamkeit die jungen Wilden, die endlich mal wieder in ein Museum gehen. Kurios ist, dass sie gegen die Verschmutzung der Welt durch Öl protestieren und dann selber Ölbilder verschmutzen. Ich bin sicher, wenn das Wasser knapp wird, werden sie sich die Aquarelle vornehmen!!! Abgesehen davon vermehren sie das Vermögen der Kapitalisten, denn das geschredderte Banksy-Bild bei der Sotheby-Versteigerung vor ein paar Jahren war vor der Zerstörung nur 1 Million Euro wert,  geschreddert wurde es für 19 Millionen Euro verkauft. Ähnlich ist es ja auch mit unseren Jeans. Kaputte, löchrige Jeans sind doppelt so wertvoll wie heile. Deshalb meine Bitte, lasst den Kartoffelbrei und die Tomaten auf den Bildern, ihr Wert wird unermesslich. Ich frage mich auch, warum verunstalten die Protestierenden die alte, gestrige, gegenständliche Kunst? Warum bewerfen sie kein modernes, abstraktes Bild mit Ketchup? Mein Verdacht ist, diese Veränderung fiele niemandem auf.

Und noch ein letzter Gedanke zu diesem Thema,  bevor ich wieder ins Studio zurück muss, um eine Seite für meine Chefin zu schreiben: Kaufen die Saudis, die Scheichs deshalb so viele berühmte Ölbilder und hängen sie in ihre Museen, weil sie uns bewundern, aus wie wenig Öl wir so viel Geld machen?

Seid herzlich gegrüßt
Euer Helme

 

P.S. Heute war wieder Ocean Swim. Eine Hundertschaft ist vom Festland, Paihia, zu uns nach Russell geschwommen, wie jedes Jahr. Die Schnellsten schaffen die 3,4 km  Entfernung in 40 Minuten (wenn die Haie sie in Ruhe lassen.) Der Letzte stieg zwei Stunden später aus dem Wasser. Die Personen-Fähren freuen sich auf die zahlreichen Schwimmer, weil alle wieder trocken zurück wollen.

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