Muss alles Werden, alles Tun zweckgebunden sein?

Hallo Freunde,

ein Kaktus blüht in unserem Garten. Mitten im Winter! Und die Bienen schlafen. Hat der Kaktus eine innere Uhr? Oder blüht er immer im Juli? Er ist ja ein Einwanderer aus wärmeren Gefilden. Oder blüht er, weil er blühen muss? Oder ist er ein Kollege von mir, der mir zeigen möchte, dass man auch ohne Pinsel, Papier und Windsor-Aquarellfarben Wundersames schaffen kann?

 

Herr Darwin kommt mir in den Sinn, der einstmals in sein Tagebuch schrieb beim Anblick der Natur: So viel Schönheit und zu so geringem Zweck. Ein Satz, mit dem ich mich sehr schwer tue. Muss alles Werden, alles Tun zweckgebunden sein? Die Vögel singen am Morgen der Reihe nach, damit sie von ihren eventuellen Ehepartnern gut erhört werden. In der Dämmerung vor Sonnenaufgang singt die Nachtigall, danach hat die Lerche eine Chance, dann die Amsel, der Buchfink und als Letzter darf der Spatz zwitschern. Der Zeitpunkt ihres Gesangvortrags mag einen Zweck haben, aber die Melodie, die Lautstärke, die Hingabe, das Trällern, die Länge ihres Vortrags ist ein schöpferischer Akt, so wie diese Zeilen.

Das war´s für heute. Nebelfelder liegen auf dem Meer. Die Sonne schwächelt. Chris räumt Kaminholz in die Garage und KiKi schreibt mit fiebriger Hand an ihrer 80jährigen Biographie…

Überall ist Wunderland, überall ist Leben,
bei meiner Tante im Strumpfenband
und irgendwo daneben.

Seid herzlich gegrüßt
Euer Helme

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