Hellhole day

Ihr Lieben,

dies war eine sehr, sehr hektische Woche für Russell.

Drei Tage lang liefen morgens kurz nach Sonnenaufgang die Fischerboote auf den Pazifik aus, um den dicksten, größten und schwersten Marlin zu angeln. Jedes Jahr kommen aus ganz Neuseeland und Übersee die Hobbyangler, um sich mit dem alten Mann und das Meer zu messen. Der einzige Unterschied ist, dass bei Hemingway die Haie dem Alten den Marlin von der Angel gefressen haben. Hier hängen sie abends auf unseren Steg am Galgen und werden bestaunt, fotografiert, gemessen und gewogen.

Es gibt aber auch GRÜNE Angler, die sie wieder freilassen, nachdem sie erschöpft bis zum Boot herangezogen wurden. Zum Abschied bekommen sie eine Marke in die Rückenflosse geknipst, die besagt, wann und wo und wem dieser Marlin an den Angelhaken gegangen ist. So kann ein Marlin mehrmals ein Anglerherz erfreuen.

Gleichzeitig hatten wir aber auch ein halbes Dutzend Superyachten hier zu Besuch. Schwimmende Steuersparmodelle aus Panama, Guernsey. Es hieß, sie wollten um die Wette segeln, aber es war mehr ein Showlaufen.

Diese riesigen Segelschiffe sind wie schöne, edle, sehr teure Frauen. Makellose Form. Wunderbar aufgetakelt. Verwöhnt von einer männlichen Crew, die Tag und Nacht aufpasst, dass ihr keine Alge, keine Muschel, kein Rostfleck, kein Sandkorn das Äußere verschandelt. Die Crew trägt Uniform, meist schwarz oder weiß, alles muskelbepackte, durchtrainierte Mannsbilder. Nur der Besitzer darf einen Bauchansatz haben und schlampig gekleidet sein. So kann man ihn von seinen Angestellten leichter unterscheiden.

Und heute am Sonntag war wie jedes Jahr Hellhole Day. Herr Charles Darwin war hier auf seiner Weltumsegelung gelandet und war entsetzt über so ein verkommenes Nest. Der übelste Ort, den er je in seinem Leben gesehen hatte. In seinem Tagebuch bezeichnete er Russell als Höllenloch des Pazifik. Damals war unser kleiner Ort der wichtigste Hafen für die Walfänger aus aller Welt. Hier gab es alles, was ein Seemannsherz erfreute: Essen, Schnaps und Weiber. Russell lieferte.

Um an die gute, alte Zeit zu erinnern, soll sich heute jeder Einwohner wieder so kleiden wie vor 150 Jahren. Das soll Touristen anlocken. Ich habe ein paar Fotos beigefügt, wo man sieht, wie die Kirche gegen diese Sündflut wettert.

Die 600 Kreuzfahrer, die heute hier landeten, zuschauten und den Umsatz erhöhten, waren aber herzlich willkommen.

Eine Straße weiter aber war die Welt noch in Ordnung.

Dort kämpfte Russell gegen Paihia um die Ehre. Zum Glück verlief das Rasenbowling-Turnier friedlich, unbeeinflusst vom Weltwirtschaftsgipfel in Davos, dem Syrienkrieg und den Groko- Problemen.

Das waren wieder einmal die neuesten Nachrichten (ohne Fake News) aus dem Südpazifik.

Herzliche Grüße von down under!

 

Euer Helme

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