Die Langsamkeit des Seins

Hallo Freunde,

wir haben es geschafft, Silvester überlebt, den Kater ausgeschlafen, die leeren Flaschen entsorgt, das Konfetti staubgesaugt und die Spülmaschine ausgeräumt.

Zahllose Feste begleiten uns durch jedes Jahr. Jedes nimmt einen anderen Stellenwert ein. In unserem etwas fortgeschrittenen Alter freut man sich besonders über den eigenen Geburtstag, nicht so sehr über den mit zahllosen Kerzen erleuchteten Geburtstagskuchen, den man wegen erhöhter Cholesterin-Werte meiden sollte, sondern weil dieser Festtag der Beweis ist, dass wir noch leben. All diese Feiertage haben aber eins gemeinsam, sie dauern mindestens 24 Stunden. Die Ausnahmen sind Weihnachten und Ostern. Weihnachten kündigt sich mit einer vierwöchentlichen Adventszeit an. Danach werden zwei Tage lang die Geschenke ausgepackt und eine Gans verdrückt. Ostern ist eine lange Leidenszeit, die für die Christen in Golgatha endet und den Osterhasen erlöst, weil er danach keine Hühner- und Schokoladeneier mehr bemalen muss.
Silvester ist die Ausnahme. Es ist das kürzeste aller Feste, das wir zelebrieren. Es währt nur 5 Sekunden: 5,4,3,2,1,0. Dann ist es vorbei, Vergangenheit. Wir entzünden noch einen Böller, fallen uns in die Arme, trinken ein Glas Sekt, trocknen die Tränen, versprechen uns Besserung und hoffen, dass sich alle Träume und Wünsche verwirklichen. Dieses Fest erinnert mich immer an eine Sprengung. Es gibt einen kurzen Countdown,  bei Null wird das Dynamit gezündet. Und nach dem Knall, wenn der Explosionsstaub sich gelegt hat, machen wir uns Gedanken über das Neue, was entstehen soll. Doch das Neue braucht seine Zeit.

Das ist das Problem von uns Menschen. Wir sind ungeduldig, nichts irritiert uns so sehr wie das Warten oder gar ein Stillstand. Letzteres halten wir für das Ende allen Fortschritts, eine Erstarrung, ein totenähnlicher Zustand, dem wir zu entkommen glauben, wenn wir nur schnell genug durchs Leben eilen, Pläne schmieden und versuchen fit zu bleiben, um noch viele, viele Silvester-Augenblicke zu erreichen.

Genießt die Langsamkeit des Seins.

Seid herzlich gegrüßt
Euer Helme

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