Der Schreiberling

Hallo Freunde,

wie wunderbar einfach das Malen und Zeichnen ist, weiß ich erst, seitdem ich nach etlichen Jahren der Abstinenz wieder einmal begonnen habe, einen Roman zu schreiben. Alle Selbstgewissheit, Fertigkeit, die in meiner bildhaften linken Hirnhälfte beheimatet ist, muss abgeschaltet  und die gegenüberliegende rechte Hirnhälfte aktiviert werden. Das ist für mich ein sehr mühsamer Umzug.

Die Sprache ist ein  kapriziöses Wesen. Sie kann jederzeit verändert, verkürzt, verlängert werden, ohne dass der Leser es später dem Text ansieht. Ein Bild, eine Grafik, die in meinem Kopf nur darauf wartet, abgebildet zu werden, ist eine spontane Angelegenheit. Es braucht nur eine ausführende Hand, einen Stift, einen Pinsel und ein paar Farbtöpfe. Und schon ist das Werk nach ein paar Stunden entstanden und jedermann kann es bewundern.

Deshalb haben auch die Neandertaler lieber gemalt und keine Romane geschrieben. So viel Zeit hatten sie nicht. Aus diesem Grund schätze ich auch diese Frühkultur. Sie erfreuten sich wie die Kinder an ihren eigenen Schöpfungen. Sie hatten keine Ahnung von der neuen deutschen Rechtschreibung, hatten keinen Schimmer von Satzbau, Interpunktion, Dramaturgie und waren nie in Frankfurt auf der Buchmesse, um ihr Werk einem Verleger aufzuschwätzen. Das nenne ich die gute alte Zeit.

Servus bis zum nächsten Mal

Euer Helme

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