Der Mensch kann zwar tun, was er will...

Hallo Freunde,

ein Virus, ein Nicht-Lebewesen, so lautet die biologische Definition, verändert unsere Welt. (Wahrscheinlich ist das der Grund, warum so viele es leugnen.)

Gestern haben wir noch die Türken vor Wien abgewehrt. Heute feiern wir einen UrUrUrenkel der osmanischen Wienbelagerer, weil er einen Impfstoff mitten in Deutschland mit seiner Gattin entdeckt hat. Wie sich die Zeiten ändern.

Gestern glaubten wir noch, die Welt zu beherrschen. Wer die meisten Atomsprengköpfe besaß, war König. Heute werden wir eines besseren belehrt. Die Natur hat uns ein winzig kleines Virus geschickt und gezeigt, wer Herr im Hause ist. Wenn die Schöpfung übermütig wird, aus dem Ruder läuft, greift die Natur immer wieder in das Evolutionsgeschehen ein. Sie lässt Tiergattungen unfruchtbar werden, wenn es zu viele von ihnen gibt. Andere Arten haben sich der Umwelt anzupassen. Andere sterben aus oder ganze Zeitalter verlöschen.

Davon sind wir weit entfernt, aber wenn so ein winzig kleines Etwas daherkommt und uns ohne Kriegserklärung beweist, wie schwach wir sind, wie anfällig unsere Geldbörsen, wie gefährdet unser Alltag, wie bedroht unser politisches System ist, dann sollte man sich die Zeit nehmen und über den Weg nachdenken, den wir in Zukunft nehmen sollten.

Der Mensch kann zwar tun, was er will, heißt es bei Schopenhauer, aber er kann nicht wollen, was er will.

 

Unser Garten ist von all dem Weltgeschehen völlig unberührt. Die Eisvögel vögeln, die Blumen blühen (was sollen sie auch anderes machen), die Pampelmusen plumpsen weiterhin zu Boden, wo ich sie jeden Morgen aufsammele, um sie zum Frühstück zu verdrücken. Danach, so gegen 10 Uhr, schreite ich barfuß durch unseren kleinen Park, lausche dem Gurren der Holztauben, vertreibe die verfressenen Kaninchen aus Kikis Gemüsegarten und staune über ein Dutzend Wachtelkinder, die Mühe haben, Schritt zu halten mit ihren Eltern. 

Dann schließe ich mein Studio auf, hocke mich auf meinen Hintern, ergreife Bleistift oder Pinsel und fülle Papierbogen um Papierbogen, die ich hoffentlich irgendwann einem Verleger verkaufen kann, um mein Paradies erhalten zu können und ich genug Freizeit habe, Euch weiterhin Sonntagsbriefe zu schreiben.

Seid herzlich gegrüßt
Euer Helme

 

P.S. Ein kleiner Trost für alle, die glauben, solche  Lockdowns habe es seit Adam und Eva noch nie gegeben: Der gute Herr Shakespeare musste sein Theater in London 78 Monate!!! in den Jahren 1603 bis 1613 schließen. So lange dauerte die Pest-Quarantäne! 

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