"Der alte Mann und das Meer"

Hallo Freunde,

heute war ich seit langem mal wieder fischen. Vor Sonnenaufgang, im Morgengrauen legten wir ab. Es war hundekalt, die See stürmisch und ich begriff, warum das Morgengrauen Morgengrauen  heißt. Kurze Zeit darauf aber lachte mich die Sonne an, taute mein Gemüt und die klammen Finger auf. Plötzlich war alles vergessen, Corona, Lockdown, Mutationen,Virologen, Statistiken und die Bilder aus den Krankenhäusern, die wir hier auf unserer kleinen Insel im Pazifik nur aus den Nachrichten kennen.

Das Angeln erinnert mich immer an das Leben. Es geht zu wie im Business. Die Kleinen werden von den Großen geschluckt. Zuerst muss man ein paar Köderfische fangen, um an die Großen zu kommen. Und wenn man den Großen nicht schnell genug an Bord zieht, kommt ein Hai, um ihn dir von der Angel zu klauen.

Auch in der Politik vereinnahmt der Stärkere den Schwächeren. In der Ehe soll es ähnlich sein, doch darüber möchte ich schweigen. Aber das Sprichwort Ich habe dich zum Fressen gern deutet diese Problematik an.

Nur bei den Bakterien und bei den Viren ist es umgekehrt! Da lieben die Kleinen die Großen. Sie brauchen uns, um zu überleben, behaupten die Virologen. Über diese bedauernswerte Tatsache beklagen wir uns. Haben diese Winzlinge uns am Haken?  Was soll das? Wer steckt dahinter? Der Herr im Himmel? Sind diese Viecher sein Haken, um uns fromm und demütig zu machen? Sitzen wir nicht alle im selben Boot? Oder kann man seinen palästinensischen Sohn dafür zur Rechenschaft ziehen, denn der war ja ein Fischer - ein Menschen-Fischer? Die Atheisten, die Ungläubigen, die auch glauben wollen, beschuldigen Mutter Natur.

Solche Gedanken kommen mir, wenn ich geduldig darauf warte, dass irgendjemand anbeißt, um Kikis Eisfach wieder zu füllen. Heute hat mich die Weite des unendlich großen Pazifik klein gemacht, und ich erinnere mich an den dichtenden Philosophen Herrn Ringelnatz, der schon vor fast hundert Jahren erkannte:

Überall ist Dunkelheit,
Kinder werden Väter.
Fünf Minuten später,
stirbt sich was für einige Zeit.
Überall ist Ewigkeit.

Seid herzlich gegrüßt von
Eurem Helme

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