Briefe from down under

Hallo Freunde,

wegen der Corona-Krise habe ich viele  E-Mails geschrieben. In früheren Zeiten hätte meine Vorbereitung für einen Brief so ausgesehen:

Zuerst holte ich mir eine alte Pergamentrolle, dann würde ich mir den Ruß aus dem Kamin kratzen und ihn mit Wasser verdünnen, um anständige Tinte daraus zu machen, und dann müsste ich mir eine Gans einfangen, um einen Gänsekiel als Schreibfeder zu bekommen. Und das in meinem fortgeschrittenen Alter!

Doch damit nicht genug, ich müsste auch noch zahllose Briefmarken belecken, die waren damals noch nicht selbstklebend. Allerdings kann das auch eine sehr aufregende Arbeit sein, wie Ringelnatz es einst in Versform goß:

Ein männlicher Briefmark erlebte

was Schönes, bevor er klebte.

Er war von einer Prinzessin beleckt,

da ward die Liebe in ihm geweckt.

 

Und dann müsste ich in Russell zur Post gehen, die müssten die Pferde anspannen und mit der Kutsche nach Auckland-Hafen fahren, um meinen Sonntagsbrief in einem versiegelten Postsack zu verschiffen. Sechs Monate später würde bei Euch in Deutschland das Horn des Postillions erklingen, ihr würdet erwartungsvoll vor die Haustür treten, um meine Zeilen lesen zu dürfen.

Jetzt drücke ich nur noch auf den Knopf und in einer Sekunde ist alles vorbei. Die Gänse finden das gut.

Schnelle Grüße

Euer Helme 

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